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Ein Überblick über die Veranstaltungen, an denen QFINITY teilnimmt oder teilgenommen hat, von Konferenzen über Vorträge bis zu Webinaren. Dazu gehören eigene Workshops sowie Berichte von Fachveranstaltungen der ISPE, der ACDM und weiterer Verbände. Kommen Sie vorbei und treten Sie persönlich mit uns in Kontakt.
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Chapter 4, Annex 11, Annex 22: Drei Entwürfe, ein Kontrollsystem
Ein Konferenztag in Shanghai, dicht gepackt und zugleich inspirierend: Keynote und Panel auf dem Biopharmaceutical Bioprocess Development Summit, dazu die vertiefende KI-Session auf der parallel laufenden AI for Pharma 2026. Die Frage, die auf dem Podium fiel, begegnet uns derzeit in Projekten wie in Gremien: Wie wirken die drei europäischen Entwürfe Chapter 4, Annex 11 und Annex 22 zusammen? Dieser Beitrag gibt die Einordnung, die wir auf der Bühne gegeben haben, und beleuchtet die Hintergründe zu Änderungen von Verantwortlichkeiten, Behördenfällen und Kritikalität, als Arbeitshypothese auf Basis der Entwürfe und unserer Beobachtungen.
Der Anlass war ungewöhnlich genug, um ihn zu erzählen: Ein CMC- und Bioprozess-Summit holte sich die EU-GMP-Regulatorik als Keynote ins Programm, und die parallel laufende AI for Pharma 2026 die zugehörige KI-Vertiefung. Martin Heitmann und ich waren unabhängig voneinander eingeladen worden und stellten das erst in der Vorbereitung fest. Unternehmen dort wollen die Kriterien kennen, solange noch Zeit bleibt, dafür zu entwerfen. Ein Tag vor Ort, dicht getaktet, und auf dem Panel der Hauptkonferenz dann die Frage, die diesen Beitrag trägt: Wie hängen diese ganzen Data-Integrity-Anforderungen eigentlich zusammen?
Die Ordnung hinter den drei Entwürfen
Unsere Antwort auf dem Podium beginnt mit dem Ort des Rechtsakts. Chapter 4 steht im Hauptteil des EU-GMP-Leitfadens, und dort findet auch die Chargenzertifizierung statt: Die Sachkundige Person zertifiziert die Charge auf der Grundlage der Aufzeichnungen. Das ist keine Systemfunktion, sondern ein Rechtsakt, und er soll nun vollständig auf Aufzeichnungen basieren, und zwar über Dokumente im eigentlichen Sinne hinaus. Deshalb regelt Chapter 4 die Daten und ihre Governance.
Annex 11 ist die technische Umsetzung. Seine Aufgabe ist es, diesem Rechtsakt technisch und funktional Vertrauen zu verschaffen: das computergestützte System, in dem die Aufzeichnungen entstehen, geprüft gegen seinen Intended Use, betrieben im validierten Zustand. Annex 22 schließlich erbt von beiden. Er regelt KI in kritischen GMP-Anwendungen und setzt voraus, was Chapter 4 und Annex 11 an Daten- und Systemkontrolle aufgebaut haben. Am Ende müssen die drei Texte ein kohärentes Kontrollsystem ergeben, sonst hat einer von ihnen seine Aufgabe verfehlt.
Der Vorbehalt gehört zu jeder dieser Aussagen: Alle drei Texte sind Entwürfe aus der Konsultation. Was final publiziert wird, ist offen. Bis dahin ist diese Einordnung eine Arbeitshypothese, basierend auf unseren Beobachtungen in der Industrie und der Kommunikation der EMA.
Schon das EMA-Concept-Paper zur Annex-11-Revision kündigte 2022 an, die damals als Entwurf vorliegende FDA-Guidance zur Computer Software Assurance zu prüfen: "This guidance and any implication will be considered with regards to aspects of potential regulatory relevance for GMP Annex 11." Ein Leitfaden aus der Medizintechnik-Welt, geschrieben für Produktions- und Qualitätssystem-Software und inzwischen final, steht damit ausdrücklich auf dem Radar der Pharma-Revision. Die Konvergenz reicht über den Atlantik.
Beleg 1: Die Person, die umgezogen ist
Wer die Ordnungsformel prüfen will, folgt der Sachkundigen Person durch die Texte. Annex 11 von 2011 nannte sie ausdrücklich: "…only Qualified Persons [to] certify the release of the batches". Im Entwurf von 2025 kommt sie nicht mehr vor. Dafür steht sie jetzt im Chapter-4-Entwurf: "All records should be available to the Qualified Person at the time of the release decision."
Dieser Umzug bestätigt die Ordnung: Die Zertifizierung ruht auf den Aufzeichnungen, also gehört die Sachkundige Person in das Kapitel, das die Aufzeichnungen regelt. Die systemtechnische Ausführung, also die Signatur im System und der Workflow dahinter, bleibt Sache des Annex 11. Auf der Bühne stand dafür ein einziger Satz, hier so, wie wir ihn auf Englisch vorgetragen haben:
Beleg 2: Die Zahlen
Die zweite Probe ist quantitativ. Wir haben die Entwürfe gegen die Fassungen von 2011 gemessen, an den Primärtexten selbst:
Die unangreifbare Kernaussage dieser Messung ist die Null: Ein Dokumentationskapitel macht Begriffe zum Fundament, die es 2011 gar nicht kannte. Die Zahlen zeigen die Richtung, weg vom Dokument als Behälter, hin zu den Daten und ihrem Lebenszyklus als Gegenstand der Kontrolle.
Die Prüffrage, die beide Entwürfe stellen: Wie stark beeinflussen diese Daten die Entscheidung, die auf ihnen ruht, und würden Sie einen Fehler überhaupt bemerken?
Beleg 3: Kritikalität hat drei Lesarten und zwei Achsen
"Kritisch" kommt in den Entwürfen mehrfach vor und meint nicht dreimal dasselbe. Der Chapter-4-Entwurf definiert Data criticality im Glossar als "the degree of influence that data have on product safety as well as the regulatory compliance of processes, decisions and product quality". Derselbe Entwurf ergänzt eine zweite Achse, die Entdeckbarkeit: Würde man sehen, wenn die Daten falsch wären? Der Annex-22-Entwurf wiederum nennt Anwendungen kritisch, wenn sie "direct impact on patient safety, product quality or data integrity" haben.
Die dritte Lesart entnahmen wir einer Konferenzpräsentation: Auf der ISPE-Pharma-4.0-Konferenz in Barcelona 2025 erläuterte der EMA-Rapporteur die Intention hinter dem kritischen Anwendungsbegriff auf zwei Achsen, direkte Auswirkung und Entdeckbarkeit des Fehlers. Damit steht die Entdeckbarkeit in beiden Entwürfen, in Chapter 4 wie im Annex 11 ("the likelihood of detection"), und zusätzlich in der erläuterten Intention hinter Annex 22; aus dem Einzelfund wird ein Muster.
Für die Praxis läuft beides auf ALCOA++ zu: Die Kritikalität steuert den Rigor, mit dem die zehn Attribute nachgewiesen werden. Und das zweite Plus, Traceable, ist das attributseitige Gegenstück zur Entdeckbarkeits-Achse: Es macht den Fehler im Nachhinein auffindbar.
Beleg 4: Aktuelle Vorgaben lassen sich bereits auf den Einsatz von KI anwenden
Wer die Entwürfe für Zukunftsmusik hält, sollte zwei Behördenfälle aus diesem Jahr lesen. Im April 2026 warf die FDA einem Hersteller in einem Warning Letter "overreliance on artificial intelligence for your drug manufacturing operations" vor. Und die MHRA beschrieb im Juni 2026 in ihrem Inspectorate-Blog KI-erstellte Inspektionsantworten mit "references to MHRA guidance that doesn’t exist", und zog die Linie, auf die es ankommt: "our concern isn’t whether you use AI; it’s whether your submissions are accurate, verifiable, and prepared under appropriate oversight".
Beide Behörden prüfen dasselbe: ob Nachweise stimmen, prüfbar sind und unter angemessener Aufsicht entstehen. Der KI-Einsatz als solcher steht in keinem der beiden Fälle zur Debatte. Das ist exakt die Logik der drei Entwürfe, angewandt vor ihrer Finalisierung.
Was daraus folgt
Die Konsequenz aus unseren Beobachtungen: Die Kultur, die diese Entwürfe voraussetzen, lässt sich heute aufbauen, mit Dateninventar, zugewiesener Kritikalität und einer Governance, die die Querschnittsfragen dorthin legt, wo sie hingehören. Denn einer muss anfangen, und was der Erste baut, gibt den Maßstab für alle folgenden Systeme vor. Genau deshalb gehören diese Grundlagen in die übergreifende QA-Ebene: dort einmal angelegt, tragen sie über alle Systeme, statt zufällig im erstbesten Projekt zu entstehen. QFINITY begleitet diesen Aufbau seit den ERES-Programmen der Part-11-Ära und aus dem Kernteam der GAMP 5 Second Edition heraus; die Entwürfe lesen wir, bevor sie Regel werden.
Und der Satz, der in Shanghai die stärkste Reaktion ausgelöst hat, gehört ans Ende, weil er begründet, warum es diese Kontrollarchitektur überhaupt gibt:
Mehr zum Fundament dieser Einordnung: Unsere Seiten zur Annex-11-Revision und zum EU GMP Annex 22 halten den Stand der beiden Entwürfe fest, und wie dieselbe Bewegung die Produktionsebene erfasst, zeigt die Analyse der PIC/S-Empfehlung PI 006-4.
BPD Biopharmaceutical Bioprocess Development Summit mit QFINITY | 6.-7. August 2026
Wir freuen uns, auf dem 9. BPD Biopharmaceutical Bioprocess Development Summit in Shanghai vertreten zu sein!
Der Summit findet vom 6.-7. August 2026 in Shanghai statt. Es ist Chinas Leitveranstaltung für die biopharmazeutische Prozessentwicklung von der Forschung bis zur kommerziellen Herstellung. Seit 2017 bringt die BPD die gesamte CMC-Wertschöpfungskette zusammen; die Ausgabe 2025 zählte über 5.500 Teilnehmende und mehr als 160 Vortragende. Parallel läuft die AI FOR PHARMA Conference 2026.
QFINITY auf der Bühne
Oliver Herrmann (QFINITY) und Martin Heitmann (MH Consulting & Advisory) freuen sich, am 6. August auf beiden Konferenzen zu sprechen: auf dem BPD Summit selbst zur Verschiebung des EU-GMP-Regelwerks und auf der parallelen AI FOR PHARMA Conference dazu, wie adaptive KI erst unter Kontrolle GMP-fähig wird.
Shifting the EU GMP Regulatory Paradigm – Annex 11 and Annex 22 Drafts
Oliver Herrmann (QFINITY) und Martin Heitmann (MH Consulting & Advisory)
Track „Global Expansion & Globalization“. Für Unternehmen, die in europäische Märkte expandieren, verschiebt sich das regulatorische Fundament: Die Entwürfe des überarbeiteten EU-GMP-Annex 11 und des neuen Annex 22 zeigen, wie computergestützte Systeme, und zunehmend KI, im GxP-Umfeld künftig beurteilt werden. Der Vortrag ordnet ein, worauf sich Qualitäts-, IT- und Zulassungsteams einstellen müssen.
Adaptive AI Without Control is Not GMP – From Potential to Controlled Biopharma
Digital Compliance Architecture for Trustworthy Adaptive AI-Enabled Systems from Process Development to GxP Manufacturing
Oliver Herrmann (QFINITY) und Martin Heitmann (MH Consulting & Advisory)
AI FOR PHARMA Conference. Adaptive KI-Systeme verändern ihr Verhalten mit neuen Daten. Das macht sie leistungsfähig und zugleich schwer beherrschbar. Ohne belastbare Kontrolle bleibt Potenzial ohne GMP-Konformität. Der Vortrag skizziert eine digitale Compliance-Architektur, die adaptive, KI-befähigte Systeme von der Prozessentwicklung bis zur GxP-Herstellung vertrauenswürdig und überprüfbar hält.
Treffen Sie uns in Shanghai. Wir freuen uns auf den persönlichen Austausch.
ISPE Pharma 4.0 & Biopharma Konferenz mit QFINITY | 10.-11. Dezember 2026
Wir freuen uns, auf der 2026 ISPE Pharma 4.0 & Biopharma Conference vertreten zu sein!
Die Konferenz findet vom 10.-11. Dezember 2026 in Berlin statt – ein zentraler europäischer Treffpunkt für die digitale Transformation der Pharmaindustrie. Eine virtuelle Teilnahme ist ebenfalls möglich.
QFINITY auf der Bühne
In seinem Vortrag zeigt Oliver Herrmann, wie KI die Qualitätssicherung in regulierten Umgebungen verändert – und warum menschliche Aufsicht (Human Oversight) keine Endkontrolle sein darf, sondern ein bewusst in die Architektur eingebautes Strukturelement.
Human Oversight by Design: Progressive QA for AI-Enabled GxP Systems
Oliver Herrmann (QFINITY)
KI fügt GxP nicht nur Werkzeuge hinzu – sie verändert, wie sich computergestützte Systeme verhalten: Die Ausführung verschiebt sich von der Bedienung zur Überwachung, deterministische Logik weicht probabilistischer Ausgabe. Das senkt den Bedarf an Qualitätssicherung nicht, es erhöht ihn. Qualität entsteht nicht mehr aus der Validierung eines isolierten Systems, sondern aus dem Zusammenspiel von Geschäftsprozessen, Daten, Software, Schnittstellen und Entscheidungsstrukturen. QA wird damit vom nachgelagerten Kontrollpunkt zum Architekten der Landschaft, die sie zuvor nur geprüft hat.
Der GAMP AI Guide zieht die entscheidende Linie: Das KI-Subsystem ist nicht das computergestützte System, das Modell ist eine Komponente. Validiert wird das System gegen seinen bestimmungsgemäßen Gebrauch (Intended Use) – nicht das Modell im Abstrakten. Menschliche Aufsicht wird hier konkret: als Kontrolle am Ende der Kette steuert sie nichts; in die Architektur hineinentworfen, trägt sie. Aufsicht ist kein Schritt, den man ergänzt, wenn das System läuft, sondern eine Eigenschaft, die man baut, bevor es läuft – mit Intended Use, risikobasierten Kontrollen und einem Punkt, an dem ein Mensch tatsächlich eingreifen kann.
Zwischen einer plausiblen Ausgabe und einer korrekten Entscheidung liegt eine strukturelle Lücke – sie schließt sich nicht durch Vertrauen ins Modell, sondern durch Design. Genau hier setzt Progressive QA an: als Antwort auf steigende Geschwindigkeit und Komplexität, die Prozess-, Daten- und Systemebene zugleich beherrschbar hält. Die Kernaussage: Leistungsfähigkeit ist nicht Zuverlässigkeit – und es ist Aufgabe der QA, diesen Unterschied sichtbar zu machen, bevor es das System tut.
Programm und Anmeldung bei ISPE (ispe.org)↗
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