
IT-Infrastruktur-Qualifizierung - vom Rechenzentrum bis zur Cloud.
IT-Infrastruktur-Qualifizierung weist nach, dass die Infrastruktur, auf der GxP-Systeme laufen, spezifikationsgerecht aufgebaut ist und kontrolliert betrieben wird, vom eigenen Rechenzentrum bis zur Cloud. Der Nachweis ist dabei kein einmaliges Protokoll. Er entsteht aus einem kontrollierten Zustand, der risikobasiert aufgebaut und mit Werkzeugen und Monitoring gehalten wird.
Das Fundament unter jedem GxP-System.
EU GMP Annex 11 formuliert den Grundsatz in einem Satz: „The application should be validated; IT infrastructure should be qualified.“ Wie tief, sagt das Regelwerk nicht. Die Tiefe folgt dem Risiko der unterstützten GxP-Prozesse. Erfasst sind Hardware und Netzwerk, virtuelle Umgebungen, Betriebssysteme und Datenbanken.
Papiernachweis für einen Tag
Ein papierbasierter Nachweis bestätigt den Zustand eines Tages. Über den laufenden Betrieb sagt er wenig.
Kontrollierter Zustand im Betrieb
Der qualifizierte Zustand wird im IT-Qualitätsmanagementsystem gehalten, und Service-Management, Automation und Monitoring führen den Nachweis. Die Records dafür sind Build-Reports, Konfigurationsdatenbank und Monitoring-Protokolle, für die die Anforderungen an die Datenintegrität nach ALCOA++ gelten.
Risikobasiert vom Bedarf zum kontrollierten Zustand.
Ein starres Phasenschema gibt es nicht. Jeder Schritt leitet sich aus dem Risiko der getragenen Prozesse ab. Wo das Risiko höher liegt, reicht der Nachweis tiefer.
- 1
Planung & Risikobewertung
Das Risiko der getragenen Prozesse wird bewertet. Daraus leiten sich Umfang und Tiefe der Qualifizierung je Komponente ab.
- 2
Anforderungen & Spezifikation
Die Infrastrukturanforderungen werden erfasst und dokumentiert, die geplante Auslegung wird dagegen geprüft.
- 3
Aufbau & Verifizierung
Dokumentierter Nachweis, dass Hardware, virtuelle Infrastruktur und Infrastruktur-Software spezifikationsgerecht installiert und konfiguriert sind. Automatisierte Build-Reports und Infrastructure as Code (IaC) liefern ihn reproduzierbar. Lieferantendokumentation wird genutzt, soweit das Risiko der Komponente es zulässt.
- 4
Akzeptanz & Freigabe
Der Funktionsnachweis wird in dem Umfang geführt, den die Risikobewertung je Komponente festgelegt hat. Der Qualifizierungsbericht schließt ab, die Infrastruktur wird für den GxP-Einsatz freigegeben.
- 5
Kontrollierter Zustand im Betrieb
Change-, Configuration- und Security-Management, Patching und periodische Bewertung halten den Zustand. Konfigurationsdatenbank (CMDB) und Monitoring-Protokolle schreiben den Nachweis kontinuierlich fort.
Wie qualifiziert man Cloud-Infrastruktur, die man nicht besitzt?
Bei Cloud-Infrastruktur weist das regulierte Unternehmen die Kontrolle über den Anbieter nach, weil die Hardware nicht die eigene ist. EU GMP Annex 11 verlangt den qualifizierten Zustand der IT-Infrastruktur unabhängig davon, wer sie betreibt, und die Verantwortung bleibt beim regulierten Unternehmen. Bereits die Fassung von 2011 fordert formale Vereinbarungen mit klaren Verantwortlichkeiten und macht die Notwendigkeit eines Audits von der Risikobewertung abhängig. Der Entwurf der Annex-11-Revision von 2025 führt das weiter aus, bis zur laufenden Aufsicht über vereinbarte Service Level und Kennzahlen. Der GAMP Good Practice Guide „Enabling Innovation“ ordnet dazu die Servicemodelle IaaS und PaaS nach der geteilten Verantwortung. Cloud-Infrastruktur ändert sich außerdem laufend, weil Kapazität mit dem Bedarf wächst und schrumpft und Patches nach dem Zeitplan des Anbieters kommen. Ein einmaliger Nachweis beschreibt deshalb einen Zustand, der mit dem nächsten Patch überholt ist. Nachweisbar ist die Kontrolle mit drei Instrumenten:
Für ausgelagerte Infrastruktur sind zwei Servicemodelle einschlägig. Sie unterscheiden sich darin, wie weit die Verantwortung des Anbieters reicht:
| Modell | Der Anbieter trägt | Ihr Nachweisfokus |
|---|---|---|
| Infrastructure as a Service (IaaS) | Rechenzentrum, Hardware und Virtualisierung als kontrollierten Dienst, ohne Einblick in die physische Umgebung | Eigene Software-Schicht verifizieren (Betriebssysteme, Datenbanken, Middleware), gelieferte Instanzen mit der Bestellung abgleichen, Build-Reports des Anbieters als Nachweis |
| Platform as a Service (PaaS) | Zusätzlich Betriebssysteme, Middleware, Datenbank-Dienste und Entwicklungsumgebung bis zur Laufzeitplattform | Kontrollen des Anbieters bewerten, die laufend fortentwickelte Plattform überwachen, eigene Anwendungen und Deployments kontrolliert führen |
Software as a Service ist bewusst nicht Teil dieser Betrachtung. Eine gemietete Anwendung erfüllt unmittelbar Geschäftsprozesse und gehört in die Validierung des computergestützten Gesamtsystems, im Prozess und gegen den Intended Use.
Der Betrieb von Infrastruktur ist die Kernkompetenz der großen Anbieter, und ihre Kontrollen sind durch Zertifizierungen wie ISO 27001 und Attestierungen wie SOC 2 belegt. Nachzuweisen ist der kontrollierte Betrieb beim jeweiligen Anbieter.
Ein weiterer Treiber der Cloud-Nutzung ist die Rechenleistung für große KI-Modelle, deren Bedarf stoßweise anfällt und die Kapazität eigener Rechenzentren übersteigt. Für KI-Anwendungen im GxP-Umfeld, die auf solchen Modellen aufsetzen, wird der Nachweis kontrollierter Cloud-Nutzung zur Voraussetzung für ihren Einsatz.
Risikobasierter Umfang nach Infrastrukturkomponente.
Der Qualifizierungsumfang richtet sich nach Komponententyp und Risiko. Standardkomponenten werden schlank nachgewiesen, konfigurierte und ausgelagerte Bausteine tiefer. Für Systeme unmittelbar in der Herstellung kommt der Prozessnachweis hinzu, beschrieben unter Qualifizierung und Validierung produktionsnaher Systeme.
| Infrastrukturkomponente | Einordnung | Qualifizierungsfokus (risikobasiert) |
|---|---|---|
| Betriebssysteme, Datenbanken, Infrastruktur-Software | Standard-Infrastruktur-Software | Inventar, Version und Konfiguration in der Konfigurationsdatenbank, bei geringem Risiko bewusst schlank |
| Hardware, Netzwerk, Server | physische Infrastruktur | Abnahme gegen die Spezifikation, Funktionsnachweis nach Nähe der getragenen Prozesse zur Chargenentscheidung |
| Virtuelle Infrastruktur, Infrastructure as Code (IaC) | konfiguriert | Der Code ist die Spezifikation. Einmal verifiziert, provisioniert er identisch, jeder Lauf steht im Build-Report |
| Cloud-Services (IaaS, PaaS) | ausgelagert betrieben | Anbieter nach Risiko bewertet, Verantwortlichkeiten vertraglich zugeordnet, Service-Level laufend überwacht |
| Backup & Restore, Disaster Recovery | Prozess auf der Infrastruktur | Maßgeblich ist die geprobte Wiederherstellung unter realen Betriebsbedingungen |
| Change, Configuration & Security Management | betrieblicher Prozess | Halten den qualifizierten Zustand aufrecht und schreiben den Nachweis im Betrieb fort |
Endet die Qualifizierung am Rand des Shopfloors?
Nein, sie folgt den Daten. EU GMP Annex 11 gilt für alle computergestützten Systeme in GMP-Tätigkeiten. Prozessleitsysteme gehören dazu, und mit ihnen die Sensoren und Edge-Geräte, deren Daten GxP-Entscheidungen tragen. Die Produktionsebene (Operational Technology, OT) war lange eine eigene Welt, nach der Automatisierungspyramide ISA-95 vom Unternehmensnetz getrennt. Diese Trennung löst sich auf. Ein ISPE-Konzeptpapier zu Pharma 4.0 aus dem Jahr 2024 beschreibt eine IT/OT-Architektur nach der NAMUR Open Architecture. Darin liefern intelligente Sensoren ihre Zustandsdaten über einen zweiten Kanal parallel zur Pyramide an Edge-Geräte und in die Cloud. Erprobt wurde die Architektur an einem GMP-Bioreaktor. Damit greifen die Kontrollen der IT bis auf den Shopfloor, und die Tiefe der Qualifizierung richtet sich nach dem Intended Use des Prozesses, in den die Daten eingehen. Ein Zustandssignal für die Wartung wird anders behandelt als ein Prozesswert, der in die Chargenfreigabe eingeht.
Qualifizierung, risikobasiert umgesetzt.
Wir begleiten den Weg von der Strategie bis zum Bericht und danach den Betrieb, gemeinsam mit IT-Betrieb, Qualitätssicherung und Anbietern. Die ersten drei Punkte zeigen, wo die Arbeit je nach Rolle oder Vorhaben ansetzt.
Den Leitfaden für diesen Weg kennen wir von innen.
QFINITY hat am GAMP Good Practice Guide „Enabling Innovation“ mitgewirkt. Der Leitfaden beschreibt, wie der qualifizierte Zustand der IT-Infrastruktur mit Werkzeugen, Automation und Monitoring gehalten wird, vom eigenen Rechenzentrum bis zu IaaS und PaaS.
GAMP 5 2nd Edition folgt demselben Ansatz, risikobasierte Kontrolle statt pauschaler Dokumentation. QFINITY hat daran im Kernteam mitgearbeitet. Kontrolliert wird die Infrastruktur als Ganzes, mit einheitlichen IT-Praktiken und dem Nachweis aus den Werkzeugen.
Häufige Fragen zur IT-Infrastruktur im GxP-Umfeld.
Ja. Kein Regelwerk verbietet den Cloud-Betrieb. Gefordert ist nachweisbare Kontrolle über den Anbieter. Verantwortlich bleibt das regulierte Unternehmen. Es nimmt diese Verantwortung über die Bewertung des Anbieters, die Vereinbarungen mit ihm und das laufende Monitoring wahr. Damit steht die Cloud auch GxP-kritischen Anwendungen offen.
Nein. Das Phasenmodell DQ/IQ/OQ/PQ stammt aus der Qualifizierung stabiler Geräte. IT-Infrastruktur wird risikobasiert qualifiziert. Standardkomponenten werden schlank nachgewiesen, konfigurierte Bausteine tiefer, und der qualifizierte Zustand wird im Betrieb gehalten. Den Nachweis liefern die Records der Werkzeuge, vom Build-Report bis zum Monitoring-Protokoll.
Nicht zwingend. Welche Prüfung angemessen ist, richtet sich nach dem Risiko. Die Spannweite reicht von Zertifikaten und Standardberichten über postalische Audits bis zum Vor-Ort- oder gemeinsamen Audit bei hohem Risiko. Ein Audit belegt nur den Prüfzeitpunkt. Vereinbarungen und laufendes Monitoring sichern die Kontrolle dauerhaft.
Nein. Eine solche Trennung ist weder praktikabel noch gefordert. Dieselbe Infrastruktur trägt regulierte wie nicht-regulierte Anwendungen und wird als Ganzes kontrolliert, nach denselben IT-Standards. Differenziert wird eine Ebene höher, denn der Intended Use der unterstützten Prozesse bestimmt, wie tief einzelne Komponenten nachgewiesen werden.
Annex 11 regelt Lieferanten und Dienstleister seit 2011 in einem eigenen Abschnitt: formale Vereinbarungen mit klaren Verantwortlichkeiten, die Notwendigkeit eines Audits nach Risikobewertung, Auditinformationen für Inspektoren. Der Entwurf von 2025 sieht zusätzlich vor: laufende Aufsicht über vereinbarte Service Level und Kennzahlen, regelmäßige und anlassbezogene Berichte, vereinbarte Unterstützung bei Inspektionen und den Zugriff auf die Dokumentation vom eigenen Standort aus. Bis zur Verabschiedung gilt die Fassung von 2011.
Stand:
Die Infrastruktur in den kontrollierten Zustand bringen.
Im Erstgespräch ordnen wir Ihre Infrastruktur, Rechenzentrum wie Cloud, nach Risiko ein und klären, wo heute bei Verantwortlichkeiten und Nachweisen Lücken bestehen. Das Gespräch ist kostenfrei und dauert etwa 30 Minuten.
Erstgespräch vereinbaren


