Validierung computergestützter GCP-Systeme - QFINITY
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Computergestützte GCP-Systeme validieren, wo die Vorschrift schweigt.

In einer zweiteiligen Fachserie in Pharm. Ind. (2016, ECV) arbeiten Oliver Herrmann und Dr. Jenny Gebhardt (QFINITY) heraus, wie sich die Validierung computergestützter GCP-Systeme sauber begründen lässt - obwohl in Europa lange konkrete, rechtsverbindliche Anforderungen dafür fehlten. Teil 1 legt Grundlagen und Ansätze, Teil 2 den Umgang mit den Daten und die Herausforderungen.

Die Einordnung

Eine frühe Standortbestimmung zu Daten als Produkt.

Klinische Prüfungen sind komplexe Projekte aus Prozessen, Menschen und Dokumentationspflichten - abgebildet durch eine Vielzahl computergestützter Systeme, die schon 2016 zunehmend in den Fokus behördlicher Inspektionen rückten. Die Serie ordnet Grundlagen, regulatorischen Rahmen und praktische Lösungsansätze risikobasiert ein - mit dem Blick darauf, dass in der klinischen Forschung die Daten selbst das eigentliche Ergebnis sind und Validierung beim Prozess und seinem Intended Use beginnt, nicht beim Werkzeug.

Die Serie erschien zuerst 2015 in „IT-Trends im GxP-Umfeld“ (Pharma Technologie Journal, ECV) und anschließend zweiteilig in Pharm. Ind. 78 (2016).

In der klinischen Forschung sind die Daten das Produkt - ihre Integrität ist keine nachgelagerte IT-Frage, sondern die Bedingung dafür, dass eine Studie belegt, was sie belegen soll.
Teil 1 · Pharm. Ind. 78 (2), 189-201

Grundlagen und Ansätze.

Der erste Teil spannt den Rahmen auf: von den Studientypen über die regulatorische Historie bis zu der Frage, wie sich Validierung überhaupt sauber begründen lässt - und trennt dabei konsequent Prozess und Werkzeug.

  • GxP-Lebenszyklus und GCP

    Interventionelle Prüfungen nach AMG und die Einordnung von GCP in den Produkt-Lebenszyklus des Arzneimittels - zwischen präklinischer Entwicklung (GLP), Herstellung (GMP) und Zulassung.

  • Regulatorischer Rahmen

    Von der Deklaration von Helsinki über ICH E6 und die EU-Richtlinie 2001/20/EG bis zur unmittelbar bindenden EU-Verordnung 536/2014 - samt der nationalen Umsetzung in AMG und GCP-Verordnung.

  • Rechtliche Unsicherheit

    In Europa fehlten lange konkrete Validierungsanforderungen für GCP-Systeme; ableitbar nur indirekt über PIC/S-Guidance und Annex 11. In den USA dagegen greift bei elektronischen Aufzeichnungen 21 CFR Part 11 eindeutig.

  • GAMP als Auslegungshilfe

    GAMP ist nicht rechtsverbindlich, gibt der Organisation aber Sicherheit bei Auslegung und Umsetzung - und ist über die GAMP R&D and Clinical Systems SIG auch für den GCP-Bereich nutzbar gemacht.

  • Prozess vs. Werkzeug

    Der Zweck kommt vom Prozess (Intended Use), das System hat nur eine feste Funktion und muss dafür geeignet sein. Daraus folgt die saubere Trennung von Validierung (Prozess) und Qualifizierung (Werkzeug) - inklusive der nicht delegierbaren Verantwortung des Prozesseigners.

  • Plattform und Schichtenmodell

    Building Blocks und das erweiterte Schichtenmodell fassen eClinical-Plattformen als Zwischenschicht - validiert wird prozessorientiert und risikobasiert entlang des Datenflusses von der Quelle über CROs bis zum Sponsor.

Teil 2 · Pharm. Ind. 78 (4), 510-520

Umgang mit Daten, Herausforderungen und Trends.

Der zweite Teil folgt den Daten selbst: Welche sind kritisch, wie wird ihre Integrität technisch gesichert, und wie gelangen sie sicher durch eine oft unvernetzte, global verstreute Systemlandschaft?

  • Kritische Daten identifizieren

    Unterschieden werden wissenschaftliche (klinische) Daten - Ein- und Ausschlusskriterien, Endpunkte, Nebenwirkungen, Randomisierung - und regulatorische Compliance-Daten (u.a. im Trial Master File). Beide sind kritisch, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

  • Datenintegrität sichern

    Die Serie arbeitet die Integritäts-Attribute im Sinne von ALCOA++ durch - von attributierbar, lesbar, zeitnah, original und korrekt bis vollständig, konsistent, dauerhaft, verfügbar und rückverfolgbar - jeweils mit technischer und organisatorischer Verankerung.

  • Sichere Übermittlung

    Beim Datenaustausch wandern Metadaten, Audit-Trail-Inhalte und ggf. E-Signaturen mit; Verschlüsselung und Hashing schaffen einen „closed channel“, über den auch offene Netze sicher genutzt werden können.

  • Herausforderung und Trend

    Explodierende Datenmengen, globale Erhebung und der Anspruch an verlässliche Qualität treffen aufeinander. Beherrschbar wird das nur durch eine gelebte Qualitätskultur, Prozesskenntnis, gutes Risikomanagement und geschulte Mitarbeiter.

Die Autoren

Geschrieben von Praktikern des GCP-Umfelds.

Die Serie wurde gemeinsam verfasst von Oliver Herrmann, Gründer und CEO von QFINITY, der die GAMP-Arbeitsgruppe zur Compliance computergestützter GCP-Systeme anstieß (Idee 2008, erste Sitzung 2009; 2011 in der globalen ISPE GAMP R&D and Clinical Systems SIG aufgegangen), und Dr. Jenny Gebhardt (Q-FINITY Qualitätsmanagement, Dillingen).

GAMP R&D and Clinical Systems SIG ISPE GAMP Clinical Trial Management Pharmakovigilanz & GCP-QM Pharm. Ind. (ECV) · 2016

Dr. Jenny Gebhardt betreut nach dem Humanmedizin-Studium an der Charité und dem Master „Clinical Trial Management“ bei QFINITY den Schwerpunkt Qualitätsmanagement für die klinische Forschung (GCP), führt Audits durch und begleitet die Validierung computergestützter Systeme. Die Serie ist eine Eigenpublikation - die Position von QFINITY selbst, erschienen in Pharm. Ind. 78 (2016), Editio Cantor Verlag. Die Linie setzt sich fort: Aus derselben SIG stammt der ISPE GAMP Good Practice Guide "Computerized GCP Systems and Data" (2. Auflage, Juli 2024) - mitverfasst von QFINITY, mit Frank Henrichmann und Oliver Herrmann als Co-Leads.

Validierung computergestützter GCP-Systeme - Pharm. Ind. (ECV)
Regulatorik

Zwei Welten, ein Anspruch.

Der vielleicht schärfste Befund der Serie ist eine Asymmetrie zwischen den Regelwerken der USA und Europas - und ihre Auflösung über den risikobasierten, prozessorientierten Ansatz. Drei Stationen:

  • Die Asymmetrie (2016)

    In den USA greift bei elektronisch abgebildeten, FDA-regulierten Prüfungen 21 CFR Part 11 zwingend; AMG und GCP-Verordnung in Europa schwiegen lange - die Validierungspflicht ließ sich nur indirekt über PIC/S-Guidance und Annex 11 herleiten.

  • Die Brücke

    Fehlende explizite Regeln entbanden nicht: Inspektoren erwarteten die Validierung dennoch, weil nur so eine belastbare Aussage zur Datenintegrität möglich ist - der risikobasierte, prozessorientierte Ansatz überbrückte die Lücke zwischen Erwartungshaltung und Regelwerk.

  • Heute geschlossen

    Seit September 2023 konkretisiert die EMA-Guideline zu computergestützten Systemen und elektronischen Daten die europäische Erwartung, seit Januar 2025 verankert ICH E6(R3) sie global; die FDA erneuerte ihre Anwendungsauslegung im Oktober 2024 mit der Q&A-Guidance. Unsere aktuelle Betrachtung: Datenintegrität im GCP-Umfeld.

21 CFR Part 11 EU-Verordnung 536/2014 ICH E6 PIC/S-Guidance EU GMP Annex 11
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